Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen verstorben
Die Fakultät trauert um Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen, emeritierter o. Professor der Kirchengeschichte, der am 27. Januar 2012 im Alter von 76 Jahren verstorben ist.
Über 30 Jahre lang gehörte Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen, der am 27.01.2012 im Alter von 76 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben ist, der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn an. Geboren und aufgewachsen in Bielefeld, studierte er Evangelische Theologie in Bethel, Heidelberg und Zürich, legte das 1. theol. Examen bei der Evang. Kirche von Westfalen ab und promovierte 1969 in Zürich bei Gerhard Ebeling, nachdem er zuvor in Tübingen das von diesem geleitete neue Institut für Hermeneutik mit aufgebaut hatte. Die Dissertation mit dem Titel „Nos extra nos. Luthers Theologie zwischen Mystik und Scholastik“ beschäftigte sich mit dem Verhältnis Luthers zur deutschen Mystik und vermochte diese Frage auf eine neue Grundlage zu stellen, indem ihr besser als bisherigen Arbeiten der Nachweis einer Verarbeitung mystischer Elemente in Luthers Theologie gelang.
Im gleichen Jahr (1969) folgten das 2. theol. Examen und die Ordination zum Pfarrer in der Württembergischen Landeskirche. Es schlossen sich die Mitarbeit an verantwortlicher Stelle im Tübinger Institut für Spätmittelalter und Reformation und schließlich 1978 die Habilitation in Tübingen für das Fach Kirchengeschichte an. Die von Heiko Oberman betreute Habilitationsschrift, die unter dem Titel „Reformatorische Vernunftkritik und neuzeitliches Denken“ veröffentlicht wurde, befasste sich vor dem Hintergrund der Ende der 60er Jahre beginnenden Herausforderung der Theologie durch die empirischen Wissenschaften mit der Bedeutung der reformatorischen Theologie für das neuzeitliche Denken – schwerpunktmäßig erörtert anhand der Vernunftkritik Luthers in ihrem mittelalterlichen Kontext sowie der Funktion dieser Kritik für Friedrich Gogartens Theorie der neuzeitlichen säkularen Vernunft. Damit war Karl-Heinz zur Mühlens hervorragendes wissenschaftliches Profil als Lutherforscher, Reformations- und Theologiehistoriker deutlich ausgeprägt und führte in der Folge nicht nur zu seiner Berufung zum C3-Professor für Kirchengeschichte nach Bonn (1981) und zu seiner Mitarbeit im Vorstand der Luther-Gesellschaft (seit 1987), sondern auch zu einer Einladung der „Kirchengeschichtlichen Kommission der Mainzer Akademie der Wissenschaften“, die Editionslage zu den Akten und Berichten der Religionsgespräche von Hagenau und Worms 1540/41 zu überprüfen (1987). Daraus entstand ab 1991 das groß angelegte DFG- bzw. Akademie-Projekt zur Edition der Akten und Berichte zu den deutschen Reichsreligionsgesprächen im 16. Jahrhundert, das zur gemeinsamen Herausgabe mit dem katholischen Kollegen Klaus Ganzer in den Jahren 2000 bis 2007 von 3 Bänden in 6 Teilbänden von insgesamt 3715 Seiten führte. Aus dem Projekt sind auch mehrere wichtige von zur Mühlen betreute Bonner Dissertationen hervorgegangen. Seine herausragende wissenschaftliche Bedeutung liegt sowohl auf historisch-politischem als auch ökumenisch-theologischem und sprachgeschichtlichem (germanistischem) Gebiet. Es konnte gezeigt werden, dass Protestanten und Altgläubige sich 1541 in Regensburg schon über die Rechtfertigungslehre geeinigt und in der allgemeinen Sakramentslehre angenähert hatten, eine endgültige Einigung aber am Streit um die Eucharistie und an der Papstfrage scheiterte.
1992 war zur Mühlen auf den C4-Lehrstuhl für Kirchengeschichte (Schwerpunkt Neuere Kirchengeschichte, insbes. Reformationsgeschichte) in der Nachfolge von Gerhard Goeters berufen worden, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2000 wahrnahm. Als Dekan stand er der Fakultät von 1992 bis 1994 vor. Hinzu kam die Übernahme von Aufgaben für die Fakultät in der Partnerschaft mit der University of Oxford (seit 1986) und als Ko-Direktor des Ökumenischen Instituts (seit 1990).
Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen hat sich als akademischer Lehrer, Forscher und Kollege hohes Ansehen, Freundschaft und Respekt erworben. Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn gedenkt seiner in großer Ehrerbietung und Dankbarkeit.
Prof. Dr. Karl-Heinz zur Mühlen war von 1990 bis 2000 Ephorus des Evangelisch-Theologischen Studienhauses Adolf Clarenbach e.V. In dieser Funktion unterstützte er das Studienhaus und hielt den guten Kontakt zur evangelisch-theologischen Fakultät aufrecht. Im Jahre 1997 entstand unter seiner Leitung die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Studienhauses.
Das Studienhaus gedenkt seiner mit großem Respekt und Dankbarkeit für seine eherenamtliche Arbeit.
Günter Röhser, Dekan
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Copyright © Uni Bonn | Erstellt von Eike Kohler | 06.02.2012


